Sybil Amber

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Wiener, Oswald (1996) Schriften zur Erkenntnistheorie

By Sybil Amber,

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Published in : Kultur- und Sozialanthropologie, Deutschsprachige Texte

„Es hat Äonen gedauert, bis in einem Hirn einmal die Vorstellung entstand, daß Sonne, Mond und Erde Kugeln sind" (Wiener 1996: 215).

Ossi Wiener kann in seinem Buch Schriften zur Erkenntnistheorie klar machen, wie ein Ansatz zur Explikation menschlichen Denkens formuliert werden könnte. Die Effekte bezüglich einer Erforschung künstlicher Intelligenz interessierten mich dabei weniger. Anfänglich war ich froh eine Schrift zur Erkenntnistheorie gefunden zu haben, die zudem Introspektion als Medium ausführte (nachdem ich den Vortrag zur Selbstbeobachtung im November vorigen Jahres hörte). Ossi Wieners literarische Ambitionen finden auch in dieser Serie von Essays Platz, seine Sprache lässt keinen Zweifel darüber, wie er denkt und wie Theorien mittels empirischer Forschung auf Basis der Selbstbeobachtung präsentiert werden können.


Die Essays sind selbstexplikativ und nachvollziehbar, wiewohl eine Recherche nach beispielsweise der Funktion einer Turing - Maschine veranschaulicht und verdeutlicht. Aufgrund introspektiver Methoden, die freilich aufgeschrieben werden sollten, kann Ossi Wiener nichtformal zeigen, wie die Turing - Maschine des Denkens funktionieren könnte. Er erkärt Maschinen ebenso, also nichtformal, ohne Postulat einer (neuen) Automatentheorie.

„Der Tüftler kann sich nur sagen, daß seine Maschine, seine Hypothese (wie man zu sagen pflegt), vorläufig gut genug ist" (Wiener 1996: 289).

Als Kultur- und Sozialanthropologin möchte ich die Stringenz dieses Buch zu lesen hervorheben. Nicht nur kognitive Prozesse, sondern auch Empirie, sowie zahlreiche Literaturhinweise veranschaulichen die Relativität des menschlichen Denkens ( a) Ich möchte mich die Relativität menschlichen Denkens hier nicht erläutern; b) teilweise unter zu Hilfenahme naturwissenschaftlicher Methoden). Auf physiologische Überlegungen geht Ossi Wiener nicht ein, denn „Die physiologischen Brosamen sind mit den Krümeln der behavioristischen Experimente korreliert, häufig nur auf technische ‚Simulationen‘ á la mode projiziert, deren Idiosynkrasien man dann als Gehirnvorgänge setzt" (Wiener 1996: XIX). Bereits im Vorwort wird klar, dass das menschliche Denken (und dessen Erkenntnis) auf einer Reihe von Irrtümern beruht:

„Ein inneres Zeichen repräsentiert ein externes Objekt, insofern sich der Kern einer gegebenen Vorstellung in den beiden Fällen gleich verhält. Entsprechungen zwischen inneren und externen Zeichenketten können sich also garnicht als geometrisch abbildhafte Ähnlichkeiten äußern, schärfer: auch die extern verursachten Zeichen sind im allgemeinen vag, nur die Wahrnehmung ist deutlich - flüchtige und punktuelle Erregung der Sinnesorgane genügt in den meisten Fällen, nachhaltige Orientiertheit herzustellen. Was sich bei oberflächlicher Selbstbeobachtung (zum Beispiel in der behinderten Selbstwahrnehmung während des Traums) als ‚Visualisierung‘ gibt, stellt sich bei näherer Betrachtung immer wieder ‚nur‘ als ein Wissen um Zusammenhänge von Empfindungs - Substitutionen heraus, das sich in sequentieller Anwendung bewährt" (Wiener 1996: XV).

Die Texte sind wie folgt geordnet:

Geleitwort des Herausgebers   V
Vorwort   XI
Inhaltsverzeichnis   XXV

Notizen zum Konzept des Bio - Adapters, Essay   1
Appendix A: Der Bio  Adapter   46
°   57
Turings Test   69
Über das Ziel der Erkenntnistheorie, Maschinen zu bauen die lügen können   96
Notizen zum Konzept des Bio - Adapters (1988) 108
Form und Inhalt in Organismen aus Turing - Maschinen 112
Kambrium der Künstlichen Intelligenz   145
Probleme der Künstlichen Intelligenz   198
‚Information‘ und Selbstbeobachtung   278
Literaturangaben   323
Quellenverzeichnis   340

Klappentext
[Springer:] Erstmals sind die Arbeiten Oswald Wieners zur Erkenntnistheorie aus den Jahren 1965 bis 1995 in einem Band versammelt. Die durch ungewöhnliche Erscheinungsorte erschwerte Zugänglichkeit und der geringe Bekanntheitsgrad dieser Texte stehen in einem krassen Missverhältnis zu deren Bedeutung für das Verständnis und die kritische und konstruktive Betrachtung der fundamentalen Wandlung, die die Erkenntnistheorie in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit dem Computer zu kennzeichnen begonnen hat. Die Aktualität der Arbeiten ist vor allem ein Ausdruck der Originalität und Konsequenz, mit der Oswald Wiener zeitlos gültige Automatentheorie mit Empirie der Introspektion verbindet. Der Versuch der Selbstbeobachtung bei Vorgängen der Wahrnehmung und des Verstehens, zum Beispiel beim Lösen elementarer mathematischer Probleme, und der Versuch einer Beschreibung dieser Vorgänge mit Hilfe von Modellbildungen aus der Automatentheorie haben ihn zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt, die unter anderem für die Beantwortung der Frage nach der Natur der Vorstellungsbilder und ihrer Rolle im menschlichen und im maschinellen Denken von Bedeutung sind.

Wiener, Oswald (1996) Schriften zur Erkenntnistheorie - Computerkultur. Wien: Springer Verlag

Addendum
Turing - Maschine: http://www.inf.fh-flensburg.de/lang/theor/turing-maschine.htm   22.08.2009 20:02:17

Last update : 22-08-2009 20:09

   
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Keywords : book, cognition, epistemai


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