Sybil Amber

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Rest/West

By Sybil Amber,

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Published in : Kultur- und Sozialanthropologie, Deutschsprachige Texte

Der Artikel Stuart Hall's beschäftigt sich mit der Frage, wie die Idee des Westens entstehen konnte und diese Fuss gefasst hat. Die Expansion der christlichen Hegemonien führte zur Vorstellung einer Vereinheitlichung Europas in Differenz zu einem "Rest" der Welt, der mit Stereotypen belegt wurde. Diskurs, Wahrheits- und Machtkonzepte gingen von der Alten Welt aus. Die Repräsentationsweisen der Neuen Welt allerdings auch. Mit Michel Foucault und Edward Said zeigt Stuart Hall das "Wahrheitsregime" auf, die Idealisierung von Differenzen, deren Verkennung und Rituale der Herabwürdigung. Die Formierung des Westens ist ein globaler Prozess mit soziokulturellen und ideologischen Folgen, er hat sich als Formation historisch entwickelt und ist heute noch wirksam.

„Along with all other peoples variously designated as backward, degenerate, uncivilized, and retarded, the Orientals were viewed in a framework constructed out of biological determinism and moral — political admonishment. The Oriental was linked thus to elements in Western society (delinquents, the insane, women, the poor) having in common an identity best described as lamentably alien. Orientals were rarely seen or looked at: they were seen through, analyzed not as citizens, or even people, but as problems to be solved or confined or — as the colonial powers openly coveted their territory — taken over” (Said 1994: 207).

Die Formierung einer "westlichen Identität" folgte verschiedenen Phasen der Kolonialisierung, die Hall als fünf Phasen des Expansionsprozesses identifiziert:

„Die Periode der Entdeckung, als Europa viele der ‚neuen Welten‘ zum ersten Mal für sich ‚entdeckte‘. Die Periode des frühen Kontakts, der Eroberung, Siedlung und Kolonisierung, als grosse Teile dieser ‚neuen Welten‘ zum ersten Mal Europa als Besitz zugeschlagen oder ihm durch Handel angeschlossen wurden. Die Zeit, während der die Form der europäischen Siedlung, Kolonisierung oder Ausbeutung etabliert wurde (z. B. die Plantagengesellschaften in Nordamerika und der Karibik; Bergbau und Rinderzucht in Lateinamerika; die Kautschuk- und Teepflanzungen in Indien, Ceylon und Südostasien). Der Kapitalismus breitete sich nun als Weltmarkt aus. Die Phase, als Jagd nach Kolonien, Märkten und Rohstoffen ihren Höhepunkt erreichte. Dies war der high noon des Imperialismus und führte ins zwanzigste Jahrhundert und zum Ersten Weltkrieg. Die Gegenwart, in der ein Grossteil der Welt wirtschaftlich vom Westen abhängig, wenn auch formal unabhängig und entkolonisiert ist" (Hall 1994: 144).

Eric Wolf beschreibt die oben genannten historischen Entwicklungen genau, bis zur Phase des Kapitalismus und der "Auslagerung" von Arbeit. Der digital divide – die Fortsetzung eines dominanten, westlichen Diskurses, wird mit Massenexporten „bekämpft“. Wie gestern im Weltjournal des ORF zu sehen war, werden Tonnen giftiger elektronischer Abfälle, id est Monitore und Computer aus Europa vom Hafen Rotterdam nach Westafrika gebracht. Die exportierten Monitore und PCs werden auf ihre Funktionstätigkeit kaum überprüft, verschiedene solcher Geräte lagern auf Müllhalden, werden zerhackt oder angezündet, um darin enthaltenes Kupfer frei zu legen. Giftige Dämpfe entstehen dabei, wie Derivate des Nervengifts Blei, Erkrankungen und Gesundheitsschäden treten in den Slums aufgrund dessen häufiger auf. Diese Gifte werden durch Wasser ausgeschwemmt, erreichen so das Meer und werden von Fischen aufgenommen. So gelangen sie wieder nach Europa: Als umweltbelastete Lebensmittel aus dem beispielsweise fischreichen Ghana. Der „digitale“ Diskurs gilt eigentlich als geregelt, denn:

„Trotz gesetzlicher Regelungen, die die Ausfuhr von Elektromüll in Nicht-OECD-Länder verbieten, wird weniger als die Hälfte der in Umlauf gebrachten Geräte gesetzeskonform recycelt und gemeldet. In Österreich wurden im Jahr 2007 61,5 Millionen kg Elektroaltgeräte bei offiziellen Sammelstellen abgegeben. Der Rest wird privat oder auf Deponien gelagert, oder illegalerweise als Second-Hand-Ware deklariert. Als solche wird Elektromüll dann über SchrotthändlerInnen nach Afrika oder Asien verkauft“ (Südwind Agentur 2009).

Dieser Diskurs funktioniert nicht nur innerhalb der Rituale der Herabwürdigung und Stereotypisierungen – „die armen AfrikanerInnen“, sondern eben auch in einem globalen Diskurs vom „Westen“ und dem „Rest“. Auch die dualistische Spaltung oder stereotyper Dualismus, ist zu finden: "Arme Afrikaner" – „arbeitende Afrikaner“. Wie auch die Denker der Aufklärung dachten, dass es nur einen Weg zur Zivilisation gäbe, handeln die Verantwortlichen heute in einer diskursiven Formation, die sich nicht viel von der des 18. Jahrhunderts unterscheidet (cf. Hall 1994: 172). Dichotomien wie unedel – edel oder roh – kultiviert sind Teil der Alltagsprechweisen einer vermeintlichen zweiten Moderne, die, scheint's, nicht aufgrund des Darwinjahres in evolutionistischen Schuhen steckt.

Quellen

Hall, Stuart (2002) Der Westen und der Rest: Diskurs und Macht, in Hall, Stuart (Hg.) Rassismus und kulturelle Identität. Hamburg: Argument-Verlag (Ausgewählte Schriften / Stuart Hall, 2), 137–179.
Presse Südwind Agentur: Giftiger Computerabfall aus Europa und den USA macht in Ghana Kinder und Jugendliche krank. URL: http://www.suedwind-agentur.at/start.asp?ID=229422  2009-08-27 20:53:25
ORF Weltjournal 2009-08-26
Said, Edward W. (2003) Orientalism. New York: Vintage Books
Wolf, Eric R. (2005) Europe and the people without history: With a new preface [Reprinted from 1981]. Berkeley: University of California Press

Last update : 10-09-2009 18:16

   
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